Autokindersitze
Immer besser
Wieder erreichte ein Kindersitz die Bestnote „sehr gut“ und beweist die Vorteile von Isofix.
Sicherheit noch in den Kinderschuhen. So überschrieben wir den ersten Kindersitztest, der im Mai 1968 veröffentlicht wurde. Und so sah Kindersicherheit im Auto vor 40 Jahren aus. Die erste These „Kinder gehören nach hinten – auf dem Beifahrersitz besteht Lebensgefahr“, stammt aus der Zeit, in der sich kaum ein Autoinsasse anschnallte. Den Nachwuchs glaubte man ausreichend sicher, solange er hinter den Vordersitzlehnen blieb. Optimalen Schutz sah ein befragter Unfallchirurg darin, ein Netz quer durchs Auto zu spannen, das das Kind bei einem Unfall auffängt. Dass man offensichtlich nur sehr vage Vorstellungen von den enormen Kräften hatte, die bei einem Aufprall wirken, zeigte sich auch in der Konstruktion der ersten Autokindersitze. Filigrane, oft ungepolsterte Rohrgestelle mit Sitzflächen und Lehnen aus Pappe oder Hartfaser, die mit PVC-Folie bespannt waren, wurden mit zwei Bügeln über die Rücksitzlehne gehängt. Einen Gurt, der das Kind im Sitz hält, gab es oft nicht oder nur als Zubehör. Nur wenige Modelle verfügten über Hosenträgergurte und Kopfstützen. In den 60ern, als von einem Autohersteller der Slogan „Sicherheit aus Schwedenstahl“ geprägt wurde, kamen auch die besten Autokindersitze aus Skandinavien. Mit über 90 Euro enorm teuer, boten die Schalensitze den entscheidenden Vorteil:
Sie waren mit Befestigungsgurten an der Karosserie verankert – eine bis heute bewährte Technik. Daneben gewinnt die sichere und einfache Isofix-Befestigung zunehmend an Bedeutung und führte im letzten Jahr zum ersten „Sehr gut“ für einen Autokindersitz. Im aktuellen Test, den wir wieder mit dem ADAC und weiteren europäischen Autoclubs und Verbraucherorganisationen durchgeführt haben, setzte sich dieser positive Trend fort. Nach dem Maxi Cosi Cabriofix im Vorjahr erreicht nun auch der Römer Baby Safe Plus die Bestnote „sehr gut“. Für beide gilt: Optimalen Schutz gibt es nur, wenn die Babyschale in die Basis eingerastet wird, die mittels Isofix fest mit der Karosserie verbunden ist. Die Schale im Auto allein mit dem Dreipunktgurt zu fixieren, ist zwar möglich, führte jedoch zu einem weniger guten Testurteil. Der Römer Baby Safe ist dann noch „gut“ (2,1), der Maxi Cosi Cabriofix aus dem Vortest sogar nur „befriedigend“ (2,7). Grundsätzlich kann jeder Isofixsitz auch angegurtet werden, etwa in einem älteren Auto ohne Isofix-Befestigungsösen. Dass sich damit die Sicherheit verschlechtert, liegt auf der Hand. Allerdings darf man den Isofixsitzen die Nachteile durch eine solche nur ersatzweise vorgesehene Befestigung nicht ankreiden.
Einfacher, aber nicht immer sicherer
Auch die Babyschalen von Graco, baugleich mit Teutonia, sowie der Chicco und Peg Perego lassen sich auf unterschiedliche Art im Auto befestigen. Eine Basis, die mit dem Dreipunktgurt im Fahrzeug fixiert wird und dort verbleibt, gehört zum Lieferumfang oder ist wie bei Peg Perego einzeln erhältlich. Die Basis des Graco Logico und des Peg Perego ist in der Neigung verstellbar, um den Winkel der Rücksitzbank auszugleichen. Besonders dann, wenn auf der Rückbank mehrere Kindersitze nebeneinander befestigt sind, ist es eine enorme Erleichterung, wenn die Schale einfach auf der Basis einrastet, statt jedes Mal den Autogurt um die Schale zu fädeln und straff zu ziehen. Auf den Unfallschutz wirkt sich die Basis unterschiedlich aus. Der Chicco Autofix plus war mit und ohne Basis gleich gut, der Graco Logico S beim Frontaufprall ohne Basis sogar etwas besser. Beim Peg Perego wird die Note „gut“ jedoch nur zusammen mit der Basis erreicht.
Vorwärts oder rückwärts
In allen Babyschalen fährt das Kind rückwärts. Bei einem Unfall ist so die Nackenbelastung geringer als beim vorwärtsgerichteten Aufprall. Wir empfehlen deshalb, die Babyschale so lange wie möglich zu verwenden. Erst wenn der Kopf des Kindes den Schalenrand überragt, sollte man auf den vorwärtsgerichteten Sitz wechseln. Im Graco Duologic können Kinder bis zu 18 Kilogramm noch rückwärts fahren. Der rund 500 Euro teure Sitz besteht aus einer Isofixbasis mit herausnehmbarer Sitzschale. Der Frontaufprallschutz ist „sehr gut“, die Handhabung birgt jedoch Fehlbedienungsmöglichkeiten, so dass der Sitz die Gesamtnote „gut“ knapp verpasste. Die Note gilt auch für den Gruppe-I-Sitz Bébé Confort Axiss, der als Universalsitz, also angegurtet, im Unfallschutz eine halbe Note hinter dem Römer Safefix Plus liegt, der mit Isofix und Stützfuß ausgestattet ist.
Diese Sitze wachsen mit
Beide Sitze der Normgruppe I/II, die von 9 bis 25 Kilogramm passen, versagten im Test. Der Michelin Cockpit war im Frontaufprall, der aufblasbare Luftikid beim Seitencrash nur „mangelhaft“. Besser schnitten die I/II/III-Sitze ab, die vom Einjährigen mit neun Kilogramm bis zum 1,50 Meter großen Schulkind passen. Neben dem preiswerten, „befriedigenden“ Nania New Line SP ist der Kiddy Comfort pro der beste Sitz dieser Gruppe mit „gut“ (2,1). Bis 18 Kilogramm wird das Kind hier durch einen Fangtisch im Sitz gehalten, danach reicht der Dreipunkt-Autogurt. Ab etwa drei Jahren bietet der Test dann weitere „gute“ Sitze, den Bébé-Confort Moby, den Cybex Solution X und den Kiddy Discovery pro. Der sehr preiswerte Nania Dream Fix SP, baugleich mit Osann Be Fix SP, zeigte für nur 59 Euro „gute“ Handhabung und Komfort sowie einen „befriedigenden“ Unfallschutz.
Unser Rat:
Vom Baby bis zum Schulkind, für jedes Alter gibt es gute, sichere Autokindersitze. Beziehen Sie auch die guten Vorjahresmodelle in die Auswahl ein. Babyschalen sind mit Isofixbasis meist besser als nur mit dem Dreipunktgurt befestigt. Isofixsitze sind aber nicht in jedem Auto anzubringen. Lassen Sie das Kind Probesitzen und prüfen Sie den Einbau des Sitzes in das Auto möglichst schon vor dem Kauf.