Renaissance der Leinwand


Im Heimkino laufen Beamer herkömmlichen Fernsehbildschirmen den Rang ab. Kein Wunder, ihre Bildqualität überzeugt.

Üppige Tonanlagen fürs Heimkino mit überwältigendem Kinoklang gibt es schon seit vielen Jahren. Doch was ist mit dem Bild? Selbst mit großformatigen Flachbildfernsehern will ein echtes Kinogefühl nicht so recht aufkommen – es sind und bleiben nur Fernsehapparate. Eine interessante Alternative für Bilddiagonalen bis zu mehreren Metern bieten Videoprojektoren, auch Beamer genannt. Davon werden jede Menge speziell auf Heimkinoanwendung getrimmte Modelle angeboten – für hochauflösende Videos im 16:9-Bildseitenverhältnis. Genau diese Geräte haben wir getestet. Sie machen Spaß, vor allem wegen ihrer hohen Bildqualität. Mit ihnen wird auch der Fußballabend zum Erlebnis.

Beamer, der moderne Diaprojektor

Beamer funktionieren im Prinzip wie Diaprojektoren. Wie seinerzeit beim Diaabend muss das Heimkino für gute Kontraste verdunkelt sein. Das „Dia“ selbst besteht meist aus einer transparenten Flüssigkristallscheibe, die auch von den aktuellen LCD-Fernsehgeräten (Liquid Crystal Display) bekannt ist. Beim Beamer ist die Scheibe nur viel kleiner. Es gibt aber auch Modelle, die mit tausenden mikroskopisch kleiner Kippspiegel arbeiten statt mit LCDs. Diese DLP-Projektoren (Digital Light Processing) sollen mehr Kontrast bieten als LCD-Modelle, zeigen aber an scharfen Hell-dunkel Übergängen einen Regenbogeneffekt.

An diesen Kanten sind dann für einen kurzen Moment die Spektralfarben zu sehen. Die meisten Zuschauer bemerken das gar nicht, andere wiederum stört es gewaltig. Wer mit einem DLP-Projektor liebäugelt, sollte sich vor dem Kauf vorsorglich beim Händler ein solches Gerät vorführen lassen. Bei den drei getesteten DLP-Geräten, einem von Mitsubishi und zwei von Optoma, ist der Effekt unterschiedlich stark sichtbar. Selbst kritische Augen konnten ihn beim Mitsubishi kaum wahrnehmen, bei den Optoma-Geräten schon eher.

Bildqualität durchweg „gut“

In der Bildqualität nehmen sich die getesteten Beamer nicht viel: Durchweg „gut“ hieß es in diesem Prüfpunkt – egal ob es sich um Beamer mit 720-Zeilen- oder mit 1080-Zeilen-Darstellung handelte. Ein Beamer mit mehr Zeilen ist nur dann sinnvoll, wenn die Quelle auch so viele Zeilen liefert. Wer also bereits einen Blu-ray-Spieler und hochaufgelöste Blu-ray-Discs besitzt, für den eignen sich auch Full-HD-Beamer. Mit hochaufgelöstem Filmmaterial bespielte Bluray-Discs bieten eben bessere Bilder als im herkömmlichen Pal-Standard produzierte Film-DVDs.

Für „normale“ DVDs genügen die Beamer mit der niedrigeren Zeilenzahl. Die besten Bilder bei Standard-DVDs im Test zeigte der HD-ready-Projektor von BenQ. Er ist sogar der einzige Beamer im Test, der im Sehtest mit Standardfilmmaterial „gut“ abschnitt. Er empfiehlt sich daher für Nutzer mit einer umfangreichen DVD-Videothek. Aber die Beamer mit 720 Zeilen können auch hochaufgelöstes Filmmaterial wiedergeben. Die Testergebnisse zeigen hier Erstaunliches: Die von der Papierform her weniger fein auflösenden Mitsubishi- und Optoma-Geräte für unter 1 000 Euro bieten eine bessere Bildqualität als der 2.880 Euro teure Epson-Projektor, der mehr Zeilen darstellen kann.

Zwei sind „sehr gut“ bei Fotos

Videoprojektoren können nicht nur bewegte Bilder, sondern auch Standbilder übertragen. Die Bildqualität der Fotos ist bis auf den Sanyo PLV-Z5 durchweg „gut“. „Sehr gute“ Standbilder liefern nur die hochauflösenden Beamer von Panasonic und Mitsubishi. Wie aber kommen die Bilder in den Projektor? Technisch geht das am einfachsten, indem man seinen Rechner an den Beamer anschließt und die Bilder direkt von der Festplatte wiedergibt. Nun steht der Rechner aber meist nicht im Wohnzimmer, und nicht jeder hat ein Notebook, das man herübertragen kann. In solchen Fällen kann man seine Digitalbilder auch auf eine CD oder DVD brennen und über den angeschlossenen DVD- oder Blu-ray-Spieler zum Beamer übertragen.

Hierfür sollte der Player aber nach Möglichkeit über einen digitalen HDMI-Anschluss verfügen. Wer es perfekt machen will, bearbeitet seine Bilder vorher am Rechner. Zum einen sollte die Bildpunktzahl der Bildhöhe mit der Zeilenzahl des Beamers übereinstimmen (720 bei den HD-ready- und 1.080 bei den Full-HD-Geräten). Das mindert die Ladezeiten und optimiert den Speicherbedarf auf der Platte. Außerdem kann man die Bilder auf das 16:9-Seitenverhältnis zurechtschneiden. So wird die Leinwand vollformatig genutzt. Hochformatbilder auf der Breitbildfläche wirken eher mickrig.

Kein Wüstensturm im Wohnzimmer

Ein Ärgernis bei früheren Beamertests war oft ein lautstarker Ventilator, der einen heißen Wüstensturm nach außen blies. Das hat sich geändert: Viel mehr als ein warmer Sommerwind weht dem Zuschauer jetzt nicht mehr entgegen. Und der Sony und der teure Panasonic säuseln so leise, dass ihre Strömungsgeräusche garantiert im Filmton untergehen. Dafür gibt es Probleme bei einem anderen Aspekt der Umwelteigenschaften: Die Beamer von Mitsubishi und Optoma verbrauchen im Standbybetrieb so viel Strom, dass wir abwerten mussten. Dass es besser geht, zeigen Panasonic und Sony: Ihre Beamer verbrauchen im Standby so gut wie keinen Strom.

HDTV:

High Definition Television, hochauflösendes Fernsehen, ist ein Sammelbegriff für Fernsehen mit höherer Zeilenzahl und mehr Detailgenauigkeit im Bild gegenüber den herkömmlichen Übertragungsverfahren, dem Pal-Fernsehen zum Beispiel.

HD ready:

Das ist ein Logo der Unterhaltungselektronikindustrie für den technischen Minimalstandard bei hochauflösendem Fernsehen, unter anderem 16:9-Bildseitenverhältnis und 1.280 x 720 Bildpunkte.

Full HD:

Kennzeichen für hochwertigere HD-ready-Geräte, die mit ihrer Bildauflösung den derzeit höchsten festgelegten HDTV-Standard erreichen (1.920 x 1.080 Bildpunkte), Bildseitenverhältnis auch 16:9.

Unser Rat:

Zwei Panasonic-Beamer sind die besten: der PT-AX200E (1.310 Euro) bei den Modellen mit 720 Bildzeilen und der PT-AE2000E (2.670 Euro) in der 1080-Zeilen-Klasse. Die beste Bildqualität bei Standard-DVDs bietet BenQ W500 für 1.010 Euro. Für hochaufgelöste Fotos empfiehlt sich neben Panasonic PT-AE2000E der Mitsubishi HC 4900 (2.020 Euro).