Blutdruckmessgeräte
Testergebnisse im Überblick
Wir haben 15 Blutdruckmessgeräte getestet, die neu auf den Markt gekommen sind. Die sechs Spitzenreiter in diesem Test kosten zwischen 25 und 79 Euro. Die besten Testergebnisse erzielten bekannte Marken – aber nicht immer: Unter den Geräten mit nur „ausreichender“ Messgenauigkeit finden sich neben dem preiswerten Rossmax ibp A40 für 15 Euro auch teurere Oberarmgeräte wie Beurer BM16 für 46 Euro und das Omron M9 Premium, mit 100 Euro das teuerste Blutdruckmessgerät im Test. Das mit 12 Euro sehr preiswerte Handgelenkgerät Weinberger KP 6240 erhielt noch ein „Befriedigend“, auch in der Messgenauigkeit. Der Preis allein ist also kein Qualitätsmerkmal.
Messgenauigkeit
Die größte Rolle im Test spielten natürlich die Blutdruckmessungen am Menschen. Dazu haben wir den Blutdruck von 32 Probanden entsprechend den Angaben in den Gebrauchsanleitungen der Geräte gemessen. Außerdem führten wir Referenzmessungen mit einem vorher geeichten Manometer und Doppelstethoskop durch. In der Spitzengruppe der messgenauen Geräte finden sich das boso medistar S, das Panasonic EW3006 für das Handgelenk sowie die Oberarmgeräte aponorm by microlife und boso medicus family. Die Manschetten mancher Blutdruckmessgeräte eignen sich nach Herstellerangaben auch für große Oberarmumfänge: im Test die Geräte Omron M9 Premium, visomat comfort III und boso medicus family. Wir haben die Messgenauigkeit auch bei elf Probanden mit „starken“ Oberarmen exemplarisch geprüft. Bei dem ersten Gerät war die Messgenauigkeit sogar besser als bei Patienten mit normalen Oberarmumfängen, bei den anderen war sie bei normalen und bei starken Oberarmen im Mittel etwa gleich.
Drei Messungen, ein Ergebnis
Mit einer Neuigkeit wartet das Gerät aponorm by microlife auf. Es misst auf Wunsch im Abstand von 15 Sekunden dreimal hintereinander. Im Display erscheint nur ein gemittelter Wert aus diesen drei Messungen. Das Messverfahren ergibt repräsentativere Werte als das Ergebnis einer Einzelmessung. Ein Vorteil könnte auch sein, dass wiederholtes Nachmessen vermieden wird – wer selbst misst, könnte versucht sein, sich die „schönen“ Werte auszusuchen. Für Nutzer ist die Dreimalmessung über etwa zwei Minuten gewöhnungsbedürftig. Man kann das Gerät aber auch auf Einzelmessung schalten; in diesem Modus haben wir es geprüft. Panasonic feiert sein Diagnosegerät großspurig als „Kehrtwende in der Behandlung von Bluthochdruck“. Warum das so sein soll, lässt sich allerdings aus der Patienteninformation und auch aus unseren Testergebnissen nicht ablesen.
Bedienen, Ablesen auf engem Raum
Bedienkomfort und Ausstattung der Blutdruckmessgeräte wurden in den letzten Jahren aber immer weiter verbessert: So werden zum Beispiel Fehlmessungen gemeldet und die Höhe des Pulsschlags angegeben. Einige Handgelenkgeräte beginnen mit dem Messen erst, wenn das Handgelenk mit dem Gerät korrekt in Herzhöhe gehalten wird. Es gibt Messgeräte mit besonders großem Display, konstruktionsbedingt vor allem bei Oberarmgeräten und solche mit (Doppel- oder Dreifach-)Speicher – mindestens 30 Einträge speichern alle. Beim Blutdruckmessgerät Omron M9 Premium besteht die Möglichkeit, über eine Computerschnittstelle auf dem Rechner Messdaten zu dokumentieren oder beim Arzt auswerten zu lassen. Blutdruckmessgeräte sind per Netzteil oder Batterie zu betreiben.
Die Batterien reichen oft für mehr als 2 000 Messungen aus, bei Sanoquell 341 allerdings nur für 650. Besonderen Wert haben wir auf den Handhabungskomfort gelegt, insbesondere auch für ältere Nutzer. Die großen Displays der Tischoberarmgeräte sind besser ablesbar als die von Handgelenkgeräten, wo sich Bedienknöpfe, Beschriftungen und Werte auf dem Display auf engem Raum drängen. Waren die Tasten zu schmal oder lag die Schaltfläche nahezu bündig in der Oberfläche, wie bei Sanitas SBM06, führte das zu Handhabungsproblemen und wurde von unseren Testern kritisiert. Etliche Displays spiegeln und die Werte sind eher schwierig abzulesen – ein Problem, das die Hersteller vermeiden könnten. Die Lesbarkeit ist auch durch einen recht geringen Abstand der Ziffern (wie bei Panasonic EW3600) oder deren Platzierung am Anzeigenrand eingeschränkt (wie bei Sanoquell 341).
Viele Anleitungen zu verbessern
Als fachlich vollständig erwiesen sich die Patientenhinweise und Anleitungen der Geräte boso medistar S, Happy Life, Omron M9 Premium und Panasonic EW 3600. Oft fehlt ein Hinweis darauf, dass Patienten mit Durchblutungsstörungen zunächst eine Messung an beiden Armen oder Handgelenken vornehmen sollten, um ihren „Messarm“ – den mit dem höheren Blutdruck – zu ermitteln. Defizite gab es auch bei der Aufklärung zu Herz-Arrhythmien, die Messergebnisse beeinflussen. Etliche Hinweise könnten besser hervorgehoben werden, so bei Sanitas SBM06 und Weinberger KP 6240. Die meisten Patienteninfos sind oft in einem kleinen bis sehr kleinen Schriftgrad gehalten. boso medistar S und Happy Life zählen im Test mit zu den besten Geräten bei der Gebrauchsinformation. Den Testpersonen gefiel die Anleitung des Omron M9 Premium am besten. Sie ist ausführlich, verständlich und durch den größten Schriftgrad im Test für Ältere gut lesbar.
Information von vorgestern
Mangelnde Verständlichkeit durch zu viele Fachausdrücke wurde bei Weinberger KP 6240 und Beurer BC20 kritisiert. Die Firma Weinberger fällt in einem weiteren Punkt negativ auf: Die Einschätzung von Blutdruckwerten ist nicht einmal auf dem vorletzten Stand des Wissens. In der Patienteninformation des Geräts Weinberger KP 6240 werden als untere Grenze des kritischen Bereichs für systolischen Blutdruck 160 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) genannt. Doch bei der Systole gilt bereits ein Wert ab 140 mmHg als behandlungsbedürftig. Bei Diabetikern sind sogar Blutdruckwerte unter 125 mmHg das Therapieziel.
Unser Rat:
Preiswerter Spitzenreiter mit „guter“ Messgenauigkeit und Zuverlässigkeit ist bei den Handgelenkgeräten boso medistar S (29 Euro). Bei den relativ teuren Oberarmgeräten liegen aponorm by microlife (79 Euro) und boso medicus family (79 Euro) vorn. Handgelenkgeräte erfordern eine geringere Vorbereitungszeit. Beim Messen am Oberarm muss man sich zwangsläufig mehr Zeit nehmen. Mehr Ruhe dient in der Praxis der Messgenauigkeit. Für ältere Patienten mit arteriosklerotischen Arterien sind Oberarmgeräte oft besser geeignet.