Taschenfederkernmatratzen


Nicht viel Federlesen

Wer Matratzen prüft, der hat was zu erzählen. Diesmal haben wir 13 Taschenfederkernmatratzen traktiert. „Gute“ Urteile mischen sich mit manchen Ungereimtheiten. Die hoch aufgestapelten Matratzen im Prüfinstitut sahen nach der Testtortur mitgenommen aus. Die Prüfer hatten jede Schlafunterlage 60 000 Mal mit einer schweren Walze gewalkt, die Bezugstoffe gewaschen und wieder aufgezogen, die Druckverteilung und Abstütz eigen schaften gemessen und bewertet. Am Ende schnitten sie die Matratzen auch noch auf, um ihr Innenleben genauer zu inspizieren.

Die Fachleute hatten diesmal 13 Taschenfederkernmatratzen in der Mangel. Typisch für diese Matratzenart: Die kleinen Stahlfedern sind einzeln in miteinander verbundenen Vliesssäckchen untergebracht, die ein elastisches Gerippe ergeben. In den getesteten Matratzen befinden sich meist 300 bis 450 Taschenfedern. Bei Tonnentaschenfederkernen ist der Federdurchmesser in der Mitte etwas größer als oben und unten, eben tonnenförmig. Sonst sind die Federn zylindrisch. Diese aufwendig gestalteten Konstruktionen haben nichts mehr zu tun mit den sperrigen Sprungfederrahmen aus Urgroßvaters Doppelbett. Die vielen kleinen Federn sorgen für eine hohe Punktelastizität. Das heißt: Die Oberfläche gibt dort punktuell nach, wo sie gerade belastet wird. So passt sie sich meistens recht gut dem auf der Matratze liegenden Körper an und stützt ihn ausreichend ab. Ausschlaggebend dafür sind die Zahl der Federwindungen und die Drahtstärke, die in den Testprodukten zwischen 1,2 und 2,2 Millimetern lag.

Die Zonenfrage

Wenn unterschiedliche Drahtstärken verwendet werden, entstehen weichere und härtere Zonen. Die Hersteller werben dann oft mit Zonenangaben. Zum Beispiel Breckle: „Punktelastischer 5-Zonen-Taschenfederkern für perfekte anatomische Anpassung.“ Oder Silentnight Houben: „7-Zonen-Ausführung mit Stabilisierungsrahmen für körpergerechte Anpassung.“ Aber: Die verkündeten Vorteile der Liegezonen können allenfalls Käufer mit durchschnittlicher Körpergröße erspüren. Bei einem Mann mit Gardemaß zum Beispiel müssten die Zonen völlig anders angeordnet sein als bei einem noch heranwachsenden Jugendlichen. Das hieße aber: Die Massenfertigung müsste einer Maßanfertigung der Matratzen weichen, die sich wohl kaum jemand leisten kann. Im Test sind wir in der Zonenfrage auch auf Widersprüche gestoßen. Einige Anbieter scheinen mit der Einteilung ihrer Matratzen in Zonen selbst ihre Probleme zu haben. Auf dem Produktschild der Malie Smaragd medicott werden sieben Zonen versprochen. Aber ein Blick unter Bezugsstoff und Polsterung, der einem Käufer kaum möglich ist, zeigt, dass tatsächlich nur fünf Liegezonen vorhanden sind. Bei der Quelle Schlaf gut ist es umgekehrt: Der „5-Zonen-Tonnentaschenfederkern“ besteht aus sieben Zonen, die sich aus den Drahtstärken der Federn ergeben.

Sehr unterschiedlich angeordnete Federreihen in Kombination mit einer auffällig strukturierten Schaumabdeckung kennzeichnen die Liegezonen der Kaufhof/Fabiani. Beim Liegen auf der Matratze ist die Struktur über dem Federkern durch den Bezugsstoff hindurch deutlich zu spüren. Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, muss jeder beim Probeliegen selbst entscheiden. Die Fabiani Grand Lux von Kaufhof ist auch die einzige nicht symmetrisch aufgebaute Matratze im Test. Sie hat eine besonders gekennzeichnete „Schulter-Comfort-Zone“ und damit Kopf- und Fußende. Dieser Hinweis steht auf einem Schildchen, das nur auf dem Bezugsstoff aufgeklebt ist. Zieht man den Bezug zum Waschen ab, müsste der Aufkleber auf den Federkern übertragen werden. Versäumt man es, erinnert die Markierung eher an einen Schildbürgerstreich: Mit einer Kerbe in ihrem Boot wollten die Schildbürger markieren, an welche Stelle sie die Glocke im See versenkt hatten. Ebenfalls wenig hilfreich für die Käufer sind die Härteangaben für die Matratzen. „Härtegrad 2“ kann weich oder mittelhart sein. Beim Kauf im Laden sollte man unbedingt Probe liegen. Bei Bestellungen per Internet oder über Versandhäuser ist das aber nicht möglich, also ärgerlich.